Krimi-Klischées

Krimi-Klischées

Beitragvon Kelhim » 14.01.2013 19:47

Was wären (geschriebene) Krimis nur ohne ihre abgeklärten und immer ganz leicht abgewetzten Komissare, auf deren Marotten man sich stets verlassen kann?

Bild


In Schwedenkrimis sind die Kommissare (oder der Ehemann der Kommissarinnen) immer fürsorgliche Väter von ein oder zwei Töchtern, auf eine reife Art attraktiv, gute Köche und allgemein gute Hausmänner, und sie trinken gerne einen teuren Rot- oder Weißwein zum vollständig selbstgemachten Abendessen. Kurz gesagt: Teil einer gutsituierten und modernen Beamtenfamilie. Der skandinavische Winter ist dunkel und hart, und genauso dunkel sind die Gedanken der Kommissare, die sich ständig um ihren harten Job drehen, den sie eigentlich am liebsten gegen einen langen Urlaub auf einer spanischen Insel austauschen würden.

In britischen Krimis sind die Kommissare in die Jahre gekommene Trinker, wenn nicht Alkoholiker, ihre Töchter sind entweder schon lange aus dem Haus oder leben bei der Ex-Frau, die ihn wegen seiner Obsession mit seiner Polizeiarbeit irgendwann verlassen hat. Seitdem hat er die eine oder andere Affäre, aber nichts, worauf sich ein neues Leben bauen ließe. Alles, was ihm bleibt, ist seine Arbeit, seine Musik, seine Arbeit und die Drinks sowie seine Arbeit. Auch seine Gedanken sind dunkel, aber auch ein bisschen romantisch, er hält seinen Zynismus unter Kontrolle.

Kommissare hören niemals auf, zu ermitteln - wenn sie suspendiert werden (und sie werden alle irgendwann suspendiert), zeigen sie ihrem Vorgesetzten den Mittelfinger und fahren noch am selben Tag auf eigene Faust durch die Gegend, um Zeugen zu vernehmen. Das bringt sie kurz vor Schluss in Teufels Küche, aber weil sie immer den richtigen Riecher haben, stellen sich ihre Ermittlungen schließlich als richtig heraus, und die Chefs drücken noch ein letztes Mal ein Auge zu.

Immer gibt es einen ungeduldigen, karrieregeilen oder einfach dummen Staatsanwalt oder Hauptkommissar, der unseren Kommissar als Dinosaurier, als Relikt der Vergangenheit ansieht und ihn lieber heute als morgen in seinen verdienten Ruhestand schicken würde. Aber der soll mal sehen, was der Dinosaurier immer noch alles kann!

Kommissare sind toughe Kerle und Frauen - die Männer tragen gerne alte Mäntel, in denen sie wahrscheinlich schon ihren ersten Fall gelöst haben, und die Frauen tragen Lederjacken und fahren wahrscheinlich Motorrad.

Apropos alte Fälle: Jeder gute Kommissar hat einen alten Fall, der sie nie ganz losgelassen hat, der sie nachts in ihren Träumen verfolgt. Das eine Mädchen oder der eine Junge, den er damals nicht retten konnte. Oder die eine Lösung, von der sie im Herzen immer wussten, dass sie falsch war. Irgendwann wird dieser alte Fall wieder Bedeutung erlangen und zusammen mit einem aktuellen Fall gelöst werden, ein für alle Mal!

Habe ich was vergessen? ;)
The future has many paths.
Choose Whiskey.

Animentor.de - Anime, Manga, Otakuism und mehr
Benutzeravatar
Kelhim
The Kid
The Kid
Beiträge: 4492
Registriert: 12.2006
Barvermögen: 8.837,02 Gil
Bank: 220,00 Gil
Wohnort: Köln
Geschlecht: männlich

Re: Krimi-Klischées

Beitragvon Fukasaku » 16.01.2013 19:44

hehe, das ist alles echt super und richtig zusammengefasst.
Sehr scharfsinning kombiniert und analysiert Herr Kommissar :mrgreen:
Fukasaku
Highscores: 19

Re: Krimi-Klischées

Beitragvon tameshii » 09.02.2013 17:53

Du hast den Erzfeind vergessen!
Besonders in den neueren Splatter-Horror-Grusel-Thriller-Krimis gibt es immer einen Erzfeind. Der steckt hinter allem, aber man kommt erst im letzten Kapitel drauf òo
Benutzeravatar
tameshii
senpai / Ältere(r)
senpai / Ältere(r)
Beiträge: 1085
Registriert: 05.2010
Barvermögen: 600,44 Gil
Bank: 778,55 Gil
Geschlecht: weiblich


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron