Höhlengleichnis

Höhlengleichnis

Beitragvon Kelhim » 16.12.2010 21:12

Platons Höhlengleichnis ist ja so der Klassiker ... ;) Die Situation: Eine Gruppe von Menschen lebt seit dem frühesten Kindesalter in einer Höhle, sie können sich nicht bewegen, sondern blicken immer nur stur auf die Wand vor ihnen. Hinter ihnen brennt ein Feuer, und Menschen tragen Gegenstände hin und her - deren Schatten werden vom Feuer auf die Wand geworfen. Wie diese Schatten entstehen, können sie sich nicht erklären, denn sie können sich ja nicht umdrehen. Die Schatten könnten auch Götter sein.

Feuer ==> Träger und Gegenstände ===> die angebundenen Menschen ===> Wand mit Schatten

Eines Tages kommt jemand frei, flieht aus der Höhle und wird natürlich erst mal vom Sonnenlicht geblendet. Die Sonne ist völlig neu und fremd. Aber nach einer Weile merkt der Typ, dass die Sonne Licht gibt und dadurch Schatten geworfen werden. Natürlich trifft ihn diese Erkenntnis so sehr, dass er seine alten Kameraden da unten in der Höhle aufklären will. Die nennen ihn einen irren Ketzer und massakrieren ihn. Na gut, das können sie nicht, weil sie ja angebunden sind - sie lachen ihn nur aus und halten ihn für einen Spinner, der Punkt ist: Sie glauben ihm nicht. Es scheint ihnen zu weit hergeholt.

Also das hat sich Platon ausgedacht, der ist seit über 2300 Jahren tot. Heute hätte er bestimmt ein Gleichnis mit Twitter oder Youtube gefunden, oder er hätte es per Twitter oder Youtube mitgeteilt. Aber ziehen wir uns auch heute noch auf bequeme Ansichten zurück und verteidigen die? Oder ist das Gegenteil der Fall, und wir sind so offen wie noch nie für neue Gedanken?
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Beitragvon Cyprien » 16.12.2010 22:12

als gesellschaft sind wir offener für neue gedanken. so offen wie nie würd ich nicht sagen, weil es immer noch genug neue technologien, lebenseinstellungen und weltanschauungen gibt die von der gesellschaft abgelehnt oder verurteilt werden.
einzelne personen, fraktionen oder völkergruppen hingegen sind mittlerweile noch sturer in ihren ansichten oder zumindest nicht offen. nehmen wir als beispiel religiöse fanatiker, irgendwelche hinterwäldler (amerikanische südstaatler zum bleistift oder ossis) oder irgendwelche stammeskulturen in urwäldern, wüsten oder auf inseln. oder die mormonen. oder waren es die amish? die komischen die technik ablehnen. war glaub ich ganz ne andere gruppe. egal.
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Beitragvon VarisVarjo » 16.12.2010 23:04

Die, die Technik ablehnen sind die Amish. Das Mormenentum ist eine Art Christentum, wenn ich mich recht erinnere. Das sind doch die, die an die Bibel glauben die von diesem Typen im 17. Jh geschrieben wurde, oder? (dazu gibts sogar ne South Park Folge).

Ich finde Cyprien's Aussage trifft es sehr gut.

Ich glaube, der Unterschied zwischen damals und heute liegt darin, dass über den Laufe der Zeit unser "Horizont" sehr stark erweitert wurde. zB sind grundlegende Dinge wie Strom und fließend Wasser oder das Frauen Hosen tragen mittlerweile einfach so omnipräsent, dass es kaum noch jemand, wenn er es sehen würde, als "Wunder" bezeichnen würde. Es ist ein bisschen so, als könnten sich die Menschen in der Höhle mittlerweile umdrehen, aber die Höhle noch lange nicht verlassen.

Aber ich denke auch, dass es heutzutage noch sehr viele Menschen gibt, die bequeme Ideen vehement verteidigen, weil sie die bequemere "Wahrheit" darstellen, oder einfach, weil sie schon so lange gültig sind, dass jede neue Idee die dem Widerspricht einfach als Unfug abgetan wird.
Bestes Beispiel: Religionen.
Es gibt immernoch Menschen, die das was in der Bibel steht für bare Münze nehmen, und zwar wortwörtlich. Hätte man das in der Wissenschaft nicht irgendwann aufgegeben, würde man noch immer daran glauben dass die Welt eine Scheibe ist. Heute können wir viele Dinge, die vor langer langer Zeit geschehen sind, einigermaßen rekonstruieren, zB gibt es plausible Theorien wie die Sache mit Moses un der Teilung des Meeres wirklich abliefen. Aber anstatt sich auf solche Theorien einzulassen, gibt es eben Menschen die darauf beharren dass das was in der Bibel steht (und ein duzend mal hin- und her übersetzt wurde, wo ein Haufen Information verloren ging oder verändert wurde, siehe die "jungfrau" maria) wortwörtlich so stimmt.
Das ist dann so, als würden die Menschen sich in der Lage befinden, dass sie in der Höhle sitzen, und sich zwar umdrehen könnten, es aber bevorzugen weiterhin auf die Schatten an der Wand zu starren. Dabei würde, wenn sie sich umdrehen, dies ja der "Idee" dass es die Schatten gibt, nicht widersprechen, es würde nur erklären warum sie da sind.

Auch wenn wir heute offener sind für neue Ideen und uns sicherlich weiterentwirckelt haben, ist die Menscheit in der heutigen Zeit aber auch gleichzeitig wieder offener für diverse Ideeologien, seien sie nun religiöser oder politischer Ideeologie. Auch wenn wir aus der Erfahrung, aus der Geschichte wissen, dass Diktaturen keine sooo gute Idee sind, gibt es heute zB in Österreich mehr denn je Menschen, die an der Demokratie zweifeln.
Vielleicht ist so eine Entwicklung immer wellenförmig - eine erhöhte Bereitschaft auf neue Ideen einzugehen erhöht auch wieder die Wahrscheinlichkeit, das -ismen entstehen (im Sinne von bis zum Fanatismus betriebene Ideelogien).

Ich hoffe ich hab einigermaßen verständlich erklärt wie ich das meine, bin mir da nicht so sicher aber... joa ^^" Ich hab's versucht.
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Beitragvon Kelhim » 17.12.2010 22:20

Religion in ihren fundamentaleren Ausrichtungen nimmt (glaube ich, bin da kein Experte) gerade in den lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern an Bedeutung zu, und in den USA geht der Trend zumindest nicht zurück. Wär eigentlich mal interessant zu wissen, warum - wir in Europa sind da ja nicht halbwegs immun gegen, einfach nur weil wir Europäer wären. Hm. Und politisch ist auch vieles im Umbruch, in Österreich vielleicht mehr, in Deutschland weniger stark. Also wir sind zwar offener als in früheren Zeiten, aber gleichzeitig auch für viele Ansichten offen, die wir früher eher für anti-aufklärerisch hielten?

Mormonen glauben auch, dass die Welt nur sechstausend Jahre alt ist. Da muss man die Augen echt schon zwanghaft vom Feuer abwenden, um den Glauben aufrecht halten zu können.

Aber es gibt ja auch andere Beispiele, die nicht so klar sind und bei denen man nicht sofort sagt: "Jaaa, die sind ja auch bekloppt." - Es gibt viele Menschen, die nicht daran glauben, dass der Klimawandel vom Menschen beeinflusst wird, und die deshalb ihre Gegner "Klimatheologen" nennen. Also das heißt, sie ziehen selbst genau wie ihr den Religionsvergleich und halten sie für unaufgeklärt. (Nur ein Beispiel, ich will jetzt in diesem Thema so sehr über Klima reden. ;))

Da wirft dann eine Seite der anderen vor, sie lebe noch in der Höhle. Man kann sich ja auch nicht so einfach umdrehen und sagen: "Ha, so ist das also!". Ist es heue einfach schwieriger geworden, zu erkennen, was Unsinn ist und was nicht?
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Beitragvon Rain » 10.03.2011 21:38

Kelhim hat geschrieben:Ist es heue einfach schwieriger geworden, zu erkennen, was Unsinn ist und was nicht?

Ich glaube, das zu erkennen ist immer schwierig. Heute wie früher. Denk ich zumindest. xD
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Beitragvon Kelhim » 11.03.2011 00:57

Ich glaube, die Welt ist heute so kompliziert, dass wir es uns selbst sehr einfach machen. Wir haben keine Zeit, alle Streitfragen selber zu klären.

Beim Höhlengleichnis geht das ... einer geht raus, sieht die Sonne, dann seinen eigenen Schatten, kommt zurück und sagt: "Heeeey, hört mal her, was ich gesehen habe!!" - Und jeder, der wollte, könnte das ganz leicht nachprüfen.

Heute muss man einfach irgendwem vertrauen oder sich viele, viele, viele Stunden Zeit nehmen, es selber zu prüfen ... Also am Ende ist es Vertrauen.
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Beitragvon Cyprien » 11.03.2011 01:00

also ich weiss ganz genau was unsinn ist und was nicht. nur steht ich da mit meiner meinung ab und an alleine da xD
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