Der Gott des Gemetzels

Der Gott des Gemetzels

Beitragvon Kelhim » 24.01.2013 22:06

Der Gott des Gemetzels

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Kurzbeschreibung:

Zwei wohlhabende Großstadtpaare kommen zusammen, um "wie Erwachsene" einen Streit zwischen ihren beiden Söhnen zu klären, bei dem einer von beiden zwei Zähne verloren hat. Oder "entstellt wurde", wie Penelope es für treffender hält.

Die Paare hassen sich ganz offensichtlich sofort, säuseln sich aber anfangs noch betont freundlich und verständnisvoll an. Einige Male schafft es das eine Paar schon in die Mäntel und bis an die Tür (auch das eine Neuerung gegenüber der [Theater-]Vorlage), aber letztlich entkommen sie doch nie. Die verlogene Fassade bröckelt körnchenweise weg und unterdrückte Ressentiments explodieren irgendwann in offenen Hass. Die Allianzen wechseln, manchmal heißt es nur noch jeder gegen jeden, irgendwann wird gesoffen, geschrien sowieso, es ist ein einziges, großes Fest.

Quelle: spiegel.de


Meine Meinung:

Weil er einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre ist, gehe ich großzügigerweise jedem gleichermaßen damit auf die Nerven! Wie sich aus der Schlägerei der beiden Söhne dieser Krieg zwischen den Eltern und schließlich zwischen allen vier entwickelt, ist nicht deshalb so lustig, weil es so absurd wäre, sondern weil die ganze Eskalation im Gegenteil vollkommen nachvollziehbar ist. Der Film ist zwar eine beißende Satire, aber Satire zeichnet sich dadurch aus, ihren Humor aus der Überzeichnung der Realität zu gewinnen, und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich schon Diskussionen erlebt habe, die nur knapp weniger schlimm aus dem Ruder liefen.

Zudem gehen die Schauspieler nur so in ihren Rollen auf. Wie die in ihrem einzigen Setting, der Wohnung eines der beiden Elternpaare, nicht nur durch ihre Dialoge, sondern ihr ganzes Verhalten so eine gespannte Atmosphäre schaffen können, ist klasse. Auch wenn es gerade fürchterlich in ist, Christoph Waltz zu loben, muss ich einfach hervorhoben, wie herrlich aasig-lässig er den "Täter"-Vater und Rechtsanwalt eines großen Pharmakonzerns spielt, dem alles egal ist, weil er die Welt versteht, und es ist eine Welt, die kein Gewissen kennt, in der liberale Weltverbesserer wie die Mutter des "Opfers" (Jodie Foster) nichts zu sagen haben. Wenn seine Frau (Kate Winslet) ihren Sohn in Schutz nimmt und sagt, er sei kein Freak, und er ihr in den Rücken fällt und mit einem wölfischen Grinsen sagt: "Yes, he is!". Oder wenn Jodie Foster am Anfang des Films zusammen mit den anderen Eltern am Computer den Tathergang formuliert und davon spricht, ihr Sohn sei "entstellt" worden (im Original noch eine Ecke schärfer: "disembodied"). Oder wenn ihr Mann (John C. Reilly) an die Kraft der Versöhnung, an Männerkumpeleien glaubt und die Gäste mit Humor und Gemütlichkeit zu einer Einigung bewegen, wenn nicht gar die Hand zur Freundschaft ausstrecken will. Und was alle Beteiligten daraus machen. Einfach klasse.
The future has many paths.
Choose Whiskey.

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